Die 10 Stierbilder


Als ich im Frühjahr 2000 ein Buch über Buddha kaufte und darin blätterte, schlug ich die Seiten über "Die zehn Stierbilder" auf und war sofort fasziniert. Seit dieser Zeit schaue ich immer wieder die Bilder an, denke über sie nach und bewege sie in meinem Herzen. Da sie für mich derart beeindruckend waren und sind, möchte ich sie Euch nicht vorenthalten und zitiere aus dem Buch "Buddha Lebensweg und Heilslehre" von Samuel Bercholz und Sherab Chödzin

 

Die zehn Stierbilder

Kuo-an Shih-yüan

 

"Von den Darstellungen der Ebenen der Erleuchtung im Zen ist keine besser bekannt als jene durch die Stierbilder*, eine Folge von zehn Ilustrationen mit Anmerkungen und Lobsprüchen. Die ursprünglichen Zeichnungen und die Kommentare, die sie begleiten, werden Kuo-an Shih-jüan (jap. Kakuan Shien), einem chinesischen Zen-Meister des zwölften Jahrhunderts, zugeschrieben. 

 

Aber er war nicht der erste, der die Entwicklungsstadien der Zen-Erleuchtung durch Bilder veranschaulichte. Es gibt ältere Versionen mit fünf und acht Bildern, bei denen der Stier allmählich immer weißer wird; das letzte Bild stellt einen Kreis dar. Das besagt, daß die Erkenntnis des Eins-Seins (d.h. das Austilgen jeder Vorstellung von "Ich" und "Anderes") das höchste Ziel des Zen war. Da Kuo-an das aber für unvollständig hielt, fügte er zwei weitere Bilder nach dem Kreis hinzu, um klarzumachen, daß der Zen-Mönch von höchster geistiger Entwicklung in der irdischen Welt der Formen und Vielfalt lebt und sich mit völliger Freiheit unter die gewöhnlichen Menschen mischt, der er durch sein Erbarmen und seine Strahlkraft dazu inspiriert, den Weg des Buddha zu gehen.

  

*In der ursprünglichen Fassung dieser Übersetzung war (wie in den meisten westlichen Übersetzungen) von "Ochsenbilder" die Rede. Die Übersetzerin, die deutsche Zen-Meisterin Koun-an D`Ortschy, wies jedoch später darauf hin, das es richtiger sei, von "Stierbildern" zu sprechen, denn ein Ochse ist ein kastrierter, domestizierter Stier, während das Tier, das hier besungen wird, für unser Wahres Wesen in seiner ganzen (beim ungeschulten Menschen ungezügelten) Kraft und Wildheit steht. ..."